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21.01. - 23.04.2006



Das Museum der Stadt Bad Arolsen überrascht mit einer großen Goya-Ausstellung

Francisco de Goya: „Gezeichnete Leidenschaft“




Francisco de Goya
Autorretrato ca. 1815

© Madrid, Museo Nacional del Prado

Im Rahmen der Ausstellungsreihe bedeutender graphischer Werke präsentiert das Museum Bad Arolsen in der Zeit vom 21. Januar bis 23. April 2006 eine Besonderheit: Die vier aus insgesamt 220 Radierungen bestehenden graphischen Zyklen aus dem Spätwerk des spanischen Malers und Graphikers Francisco de Goyas werden, seit 15 Jahren erstmals in Deutschland, vollständig gezeigt.

Goya (1746-1828), ein Zeitgenosse des Arolser Bildhauers Christian Daniel Rauch, gilt als einer der großen spanischen Wegbereiter der europäischen Moderne. Doch während Rauch als preußischer Hofbildhauer in Berlin z. B. Feldherrendenkmäler schuf, beschäftigte sich Goya in den letzten Jahrzehnten seines Lebens mit den Auswirkungen von Krieg, Zerstörung und gesellschaftlichen Mißständen. Mit den Blättern seiner graphischen Serien „Caprichos“, „Desastres de la Guerra“, „Tauromaquia“ und „Disparates“ beschritt er künstlerisch eigenen Wege und bearbeitete Themen, die ihn besonders bewegten und seine Geisteshaltung zum Ausdruck brachte. Die Ausstellung der vier Radierfolgen entstand in Zusammenarbeit mit der Fundación Juan March in Madrid und dem Museum Bad Arolsen.


Francisco de Goya: Capricho Nr. 43, "Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer"
© Stiftung Juan March



Den liberalen Ideen der Aufklärung folgend, kritisierte Goya in der ersten Folge, die „Caprichos“ (Launen) die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit mit den Mitteln der Karrikatur. Das Sammelwerk ist 1799 in Madrid erschienen. Die Radierungen entstanden sehr langsam nach Goyas schwerer seelischer Krise, die 1792 durch eine bis heute unbekannte Krankheit ausgelöst worden war. Diese Radierungsfolge von 80 Blättern galt zu seinen Lebzeiten als zersetzend und staatsgefährdend, so daß der Künstler die Druckplatten dem spanischen König Karl IV. schenkte, um sich vor der Inquisition zu schützen. Sie sind eine Anklage gegen die Gesellschaft, gegen Politiker und Höflinge, den ignoranten Adel und korrupte Richter, Ärzte und unwissende Lehrer, besonders aber Gier und Müßiggang des Klerus, gegen eine im Aberglauben befangene Frömmigkeit des Volkes, Doppelmoral und Gewalt sowie die Schrecken der Ehe.


Francisco de Goya: Desastre Nr. 32 Warum?
© Stiftung Juan March







Nach dem Einmarsch Napoleons in Spanien schuf Goya die bis heute wohl berühmtesten Radierungen - die „Desastres de la Guerra“ (Schrecken des Krieges). Sie zeigen in einer unverstellten Radikalität eine Anklage gegen den Krieg als solchen in unverstellter Grausamkeit. Der Hintergrund sind die Greueltaten der französischen Truppen, die im Gefolge Napoleons nach Spanien gekommen sind. Die Folgen des Krieges wie Hungersnot und Epidemien werden in schonungsloser Offenheit ebenfalls künstlerisch verarbeitet. Bei den Desastres handelt es sich um eine Folge von 80 Radierungen.


Als typisch spanisch erscheinen heute die „Tauromaquia“ (Kunst des Stierkampfes). Sie bilden eine Art Atempause, eine Zeit der Erholung in Goyas Schaffen zwischen der von Grauen erfüllten Dramatik seiner Kriegsbilder und dem späten düsteren Mysterium der Disparates. Der Zyklus ist zwischen 1814 und 1816 entstanden und zeigt in eindrücklicher Art und Weise den leidenschaftlichen Kampf zwischen Mensch und Tier. Die Serie dieser Stierkampfbilder umfaßt 40 Blatt.

Die bis heute ungewöhnlichste und sicherlich rätselhafteste Serie sind die „Disparates“ (Torheiten). Sie sind in Goyas letztem Lebensabschnitt entstanden und werden den Schaffensjahren zwischen 1819 und 1823 zugeordnet. Sie zeigen eine aus den Fugen geratene Welt. Die Blätter sind zum Teil mit Inschriften oder Titeln versehen, die zum Teil im völligen Widerspruch zu den Bildinhalten stehen. Die Mehrdeutigkeit dieser Blätter wird dadurch noch unterstrichen. Die Radierungsfolge ist offensichtlich nie abgeschlossen worden – es werden sämtliche erschienenen 22 Blatt ausgestellt.

Eigens für die Goya-Ausstellung werden die Öffnungszeiten des städtischen Museums verlängert. Das Museum ist während der Ausstellung jeweils mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen sind jeweils sonntags um 11:15 Uhr (Eintritt mit Führung 5 €) und nach Vereinbarung möglich.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog zum Preis von 16,- €